Der SV Gailingen, die tolle Truppe vom Hochrhein

Zurückgeblättert: Der große Triumph des SV Gailingen: 1968 gelang dem kleinen Club vom Hochrhein der Aufstieg in die Schwarzwald-Bodensee-Liga. Der ehemalige Spieler Wolfram Schmid blickt auf die glorreiche Zeit zurück.

Fußball: Gailingen – ein kleiner Ort am Hochrhein, für Wanderer oder Radler ideal auf dem Weg von Stein am Rhein nach Schaffhausen gelegen. Bekannt ist der Erholungsort für seine Reha-Zentren, die Schmieder-Klinik und das Jugendwerk. Als Sport-Hochburg gilt die 3000-Einwohner-Gemeinde nicht gerade. So haben die Fußballer des SV Gailingen vor Kurzem den Abstieg aus der Kreisliga B gerade noch abwenden können. Dass dies einmal ganz anders war, dass gar Tausende von Zuschauern den SVG-Sportplatz säumten, daran erinnern sich allenfalls ältere Fußballfreunde.

Entscheidungsspiel vor 3000 Zuschauern

Vor 50 Jahren brachte der SV Gailingen ein wahres Kunststück zustande. Im Jahr 1967 waren die Hegauer als Meister der A-Klasse in die 2. Amateurliga aufgestiegen, ein Jahr später standen sie nach einem langen Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FC Radolfzell schon einen Spieltag vor Saisonende als Meister fest – verbunden mit dem Aufstieg in die Schwarwald-Bodensee-Liga (SBL), der damals dritthöchsten Spielklasse im deutschen Fußball. Beim entscheidenden Spiel gegen den FC Radolfzell standen über 3000 Zuschauer dichtgedrängt am Spielfeldrand des Rauhenberg-Stadions.

Spurensuche beim SV Gailingen

Ortstermin, 50 Jahre später: Ein Treffen mit Wolfram Schmid (76), nach dem Aufstieg vom VfR Stockach zum SV Gailingen gekommen, und mit Reinhard Grundler, damals als junger Fan mitfiebernd, zwischenzeitlich Trainer und heute Vorstand Sport beim SVG. Naheliegende Frage: Wie hat es ein kleiner Verein wie der SV Gailingen in eine Liga mit dem FC Singen 04, dem VfB Friedrichshafen oder dem FC Tailfingen geschafft? Zum einen gab es damals einen harten Kern mit Spielern aus dem Ort. Dann fällt aber auch der Name Manfred Leisinger, ein Architekt, der auch bei den Bauten der Schmieder-Klinik engagiert und damaliger SVG-Präsident war. Offensichtlich verfügte er über Geld und Kontakte, so dass einige starke Spieler der Region die SVG-Elf verstärkten, wie etwa Spielertrainer Harald Schneck oder Spielführer Bruno Rech, die gemeinsam mit Hannes Strittmatter in der erfolgreichen Mannschaft des FC Singen 04 standen, die 1959 deutscher Amateurmeister wurde.

Ein eingeschworener Haufen

Einige Jahre zuvor schon war auch Wolfram Schmid den Gailingern aufgefallen. Mit vier Treffern drehte er, damals noch für seinen Heimatclub FC Zizenhausen spielend, einen 0:3-Pausenrückstand gegen den SVG zu einem 4:3-Sieg. Im Meisterjahr dann, für den VfR Stockach im Einsatz, sprachen ihn die Gailinger an, ob er im Aufstiegsfall nicht an den Rhein kommen wolle. Die Zusage war alles andere als fix, genauso wenig wie der Aufstieg. Doch nach dem Gailinger Durchmarsch durch die 2. Amateurliga stand der Stürmer zu seinem Wort und kam zum Hochrhein-Team. Und es folgte eine turbulente Zeit in der SBL. „Da war jedes Spiel ein Erlebnis!“, blickt Schmid 50 Jahre zurück und betont: „Wir haben eine tolle Truppe gehabt.“ Und Grundler ergänzt, aus Sicht des Fans: „Das war ein eingeschworener Haufen. Das habe ich auch als C-Jugendlicher schon gemerkt.“

Der Aufsteiger überrascht den Nachbarn

1500 Zuschauer sahen die Partie des SV Gailingen gegen den Nachbarn FC Gottmadingen – und erlebten einen "verdienten 2:1-Sieg", wie damals der SÜDKURIER berichtete.

1500 Zuschauer sahen die Partie des SV Gailingen gegen den Nachbarn FC Gottmadingen – und erlebten einen "verdienten 2:1-Sieg", wie damals der SÜDKURIER berichtete. | Bild: Archiv

Und Schmid kann sich noch gut an die eine oder andere Episode erinnern. Etwa an den 2:1-Sieg im Derby gegen den FC Gottmadingen vor 1500 Zuschauern. Oder an den 1:0-Sieg gegen den SV Kressbronn, mit dem man dem Titelanwärter wichtige Punkte raubte, die den Württembergern am Ende fehlten – das Tor des Tages erzielte Schmid. Und auch weniger schöne Momente blieben ihm unvergessen. Wie die herbe 0:6-Schlappe beim Mitabsteiger SV Wannweil, nach der SVG-Spielführer Bruno Rech den Schiedsrichter fragte, was er, der Unparteiische, mit dem SV Gailingen gemeinsam habe. Rechs Erklärung dürfte dem Mann mit der Pfeife nicht gefallen haben: „Wir sind beide eine Klasse zu schlecht für diese Liga!“

Mit elf Punkten, 32 erzielten Toren und mit 97 Gegentreffern ging es wieder zurück in die 2. Amateurliga, wo man noch einige Jahre eine beachtliche Rolle spielte. In der Saison 1970/71 schien Gailingen erneut auf dem Weg in die Schwarzwald-Bodensee-Liga. Das letzte Spiel gegen Tabellenführer FC Furtwangen war verschoben worden, Schmid daher schon im Urlaub in Ungarn. Doch Leisinger, der Macher des SV Gailingen, besorgte Flugtickets von Ungarn nach Zürich, Schmid spielte, doch Furtwangen siegte mit 1:0 und stieg auf. Im Jahr darauf blieb erneut nur Rang zwei, der ESV Singen wurde Meister und Aufsteiger. Ein halbes Jahr später, nach einem 3:3 gegen seinen Ex-Club VfR Stockach, beendete Schmid seine aktive Laufbahn, doch in Gailingen blieb er verwurzelt.

Dann begann auch schon der steile Abstieg des SVG bis hinab in die C-Klasse zum Ende des vergangenen Jahrtausends. Auch eine Spielgemeinschaft mit Randegg brachte nicht den gewünschten Erfolg, so dass der SV Gailingen 2004 in der Kreisliga C einen Neuanfang startete.

 



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